Adventskalender 2020

Auszug

"Über die Alpen"

... der Tag als mein Song "God by my side" entstand

DEZ 2

Heute kannst du den Tag meiner Alpenüberquerung miterleben, an dem ich die Idee für meinen Song "God by my side" hatte.  Mein Buch "Über die Alpen" und das Album "Into The Mountains" sind beide entstanden während ich von Salzburg nach Triest über die Alpen gewandert bin.

 

Wörth – Schutzhaus Neubau


Tag 10


Wieder ein Regentag. Ich habe vergessen, meinen Buff zu waschen. Er stinkt wie aus der Kloake gezogen. Ich riskiere lieber eine Erkältung, als das Ding heute zu tragen. Der Weg führt durch das Raurisertal. Bei Sonnenschein kann man hier hoch am Himmel Geier kreisen sehen. Doch heute hängen die Wolken abermals tief und es regnet. Der Wanderführer preist das Tal als einen landschaftlichen Höhepunkt. Ich würde ihm gern beipflichten, doch der Regen gibt mir keine Chance.


Zum Wald hin verengt sich das Tal immer mehr. Eine Mountainbikertruppe überholt mich, dann krepeln sie mit ihrem Regenzeug und ich überhole sie. Wir überholen uns noch ein paar Mal gegenseitig bis ich am Waldrand ankomme und sie plötzlich verschwunden sind. Dafür treffe ich Elfriede und Manuela wieder, die zwei Frauen von der Wasseralm, denen es auf dieser Tour zu sehr auf und ab ging. Na, ich sei ja wohl ganz schön langsam unterwegs. Mh, erwidere ich, bin eben keine solche Alpenveteranin wie die beiden. Was eigentlich als Kompliment gemeint war, wird mir sogleich zum Kommentar auf ihr Alter ausgelegt. Alpenveteranin? Alpenurgestein vielleicht? Naja – nein - naja, beginne ich und denke mir, hier kommst du nicht mehr unbeschadet raus. Ob sie heute auch zum Schutzhaus Neubau wollten, versuche ich das Thema zu wechseln. Könnten wir ja zusammen den Rest des Weges gehen. Oh, naja, kommt es von Manuela, mal sehen, ob die Urgesteine da mithalten können. Na schaun mer mal, biete ich diplomatisch an und gehe voran. Die beiden sind zähe Wanderinnen, passen sich aber nicht gern dem Tempo anderer an. Sie lassen sich Zeit und wir verabreden uns zum Abendessen auf der Hütte. Ich stapfe wieder voran, als gäbe es etwas zu gewinnen. Dabei geht es mir nicht einmal darum, schnell zu sein. Mir liegt das Schlendern einfach nicht. Ich werde unruhig dabei.


Der stille Fichtenurwald fängt den Regen ab. Zwischen den Bäumen leuchten grün die Blaubeerbüsche. Der Weg ist fichtennadelweich und schlängelt sich braun empor. Moortümpel spiegeln die dunklen Baumkronen. Oberhalb der Baumgrenze dann nur noch Wolkensuppe. Zahllose Bäche, Wasserfälle und Restschneefelder. Kurz breche ich in eines ein. Es taut.


Das Schutzhaus Neubau siehe ich wieder erst auf den letzten Metern, als ich durch die dichten Wolken darauf zu laufe. Innen ist es hölzern und schlicht. Ausgestopfte Tiere auf den Regalen und Alpen-Souveniers in einer Glasvitrine. Im TV läuft eine Naturschutzsendung. Ein Gast sitzt am Tisch, ein Weizen in der Hand. Es ist Fred von meinem ersten Tag im Zeppezauerhaus! Wir freuen uns über das unerwartete Wiedersehen, als wären wir bereits gute Bekannte. Es ist wie ich es auf dem Camino erlebt habe. Ist eine Grundsympathie vorhanden, schließt man auf Langwanderungen weitaus schneller Bekanntschaften oder gar Freundschaften. Die gemeinsamen, intensiven Erlebnisse schweißen zusammen, wie es im normalen Leben nur wenige Dinge tun.


Wieso er denn jetzt noch hier sei, frage ich Fred. Ich dachte ja, fit wie er ist sei er längst davon! Naja, brummt Fred mit stoischer Sachlichkeit, er habe halt im Satzerhaus den Sonnenuntergang sehen wollen. Scheinbar war er dort angekommen kurz nachdem ich vor der stummen Schwermut der Wirtsleute geflohen war.
War doch alles komplett zugezogen, sage ich. Ja, sagt er, aber am Abend seien die Wolken für eine halbe Stunde aufgerissen. Im Abendlicht die Zacken des Alpenhauptkamms, das habe sich gelohnt. Kurz bin ich neidisch, dann denke ich daran wie es gewesen wäre, den ganzen Nachmittag lang die abgestandene Stille dort oben ertragen zu müssen.

Ich gönne mir eine Duschmarke, denn warme Duschen sind rar auf den Hütten. Und auch wenn ich diesen Luxus nicht erwarten würde, sage ich natürlich nicht nein, wenn er sich mir bietet. Eine Minute kostet einen Euro. Keine Zeit zum Singen unter der Dusche! Die neue Songidee, die ich heute im Raurisertal hatte, singe ich deshalb vorher noch kurz ins Handy.

Mein Buch "Über die Alpen" und das Album "Into The Mountains" findest du hier in meinem Shop.

Und hier kannst du "God by my side" anhören:

Komm mit auf eine

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5 TAGE KOSTENLOSE MUSIK

und die Stories die zu

den Songs führten.

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