Adventskalender 2020

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Auszug

"Über die Alpen"

... der Tag als mein Song "Thinking Nothing" entstand

DEZ 17

Heute kannst du den Tag meiner Alpenüberquerung miterleben, an dem ich die Idee für meinen Song "Thinking Nothing" hatte.  Mein Buch "Über die Alpen" und das Album "Into The Mountains" sind beide entstanden während ich von Salzburg nach Triest über die Alpen gewandert bin.

Tarvisio – Dom v Tamarju

Tag 19

 

Unsere Wirtin tischt uns in der Bäckerei ein „Brett’l“ auf:  Bierschinken, Schnittkäse und ein kleiner Berg zerschnittene Wiener Würstchen, die sie „Würstel“ nennt. Vielleicht ihre Idee von einem deutschen Frühstück? In Italien frühstückt man ja nichts als Cappuccino, und wenn’s hoch kommt einen Keks.

 

Fred und ich laufen den ganzen Tag lang auf einem Radweg, wo zur Kaiserlich-königlichen Zeit Österreich-Ungarns die Bahnstrecke zwischen Ljubljana (Laibach) und Tarvisio (Tarvis) verlief. Grüne Radwegmarkierungen und ein Bahnhofsgebäude daneben. Was für eine schräge, großartige Idee! 1870 war die Bahnlinie fertig gestellt worden, wurde aber nach dem zweiten Weltkrieg bedeutungslos, als die Grenze zwischen Jugoslawien und Italien undurchlässiger wurde. In den 1960er Jahren legte man die Linie dann vollends still. Heute sind die beiden Länder wieder verbunden, durch diesen hundert Kilometer langen Radweg.

 

Wir machen einen kurzen Abstecher in die Skizza-Schlucht. Das wilde Bergwasser der Gail stürzt hier achtzig Meter in die Tiefe und donnert am Boden in einen gigantischen türkisen Whirpool. Wenig später erreichen wir den Weißenfelser See. Noch türkiser, jedoch völlig still, spiegelt er das jenseits des Sees aufragende Mangart Massiv der Julischen Alpen. Die offizielle Route führt hier weiter bergauf zum Refugio Zacchi. Ich mache es mir jedoch einfach und laufe die Variante um den Berg herum, möchte heute einfach geradeaus laufen und ein bisschen Zeit für fließende Gedanken haben. Bei all den Höhenmetern ist mein Kopf meist komplett ausgeschaltet. Jegliche Energie geht für die Auf- und Abstiege drauf. Während ich den Berg umrunde um zur nächsten Hütte, dem Dom v Tamarju, zu gelangen, nimmt Fred die offizielle Route über den Berg hinweg. Irgendwo in Slowenien werden wir uns wieder über den Weg laufen.

Ich folge dem Redweg weiter, bis ich an eine Kreuzung gelange, an der ein gigantisches aus Holz gezimmertes historisches Zweirad steht. So eins mit riesigem Vorder- und kleinem Hinterrad. Davor ein Schild mit der Aufschrift Slowenien, in slowenischer, englischer und deutscher Sprache. Eher eine obskure provinzielle Wegkreuzung als eine Staatsgrenze. Ich mache einen Schritt und bin im nächsten Land. Schengen sei Dank. Ein, zwei Kilometer weiter biege ich nach rechts in den Wald ab und komme an einem Olympischen Sportzentrum mit Sommersprungschanze heraus. Fffffffft! sausen die Springer auf den grünen Bahnen hinunter.  Schade um den Berghang, denke ich und laufe weiter. Ein paar Kilometer weiter komme ich am Dom v Tamarju an.

 

In einem Hochtal gelegen steht die Hütte eingerahmt von den festungsartigen Felswänden des Karstgebirges. Polkamusik dröhnt mir entgegen. Ich fühle mich wie in einem Klischeefilm über Osteuropa. Akkordeon und eine goldene, Karel-Gott-artige Sängerstimme. Tageswanderer und Radfahrer an den Biertischen. Die Hütte selbst urig-hölzern und verwinkelt. Der junge Rezeptionist erklärt mir enthusiastisch wo, wann, wie und was und schickt mich ins Lager unterm Dach. Bisher bin ich völlig allein hier. Duschen ist gratis! Ich freue mich, bis ich voll eingeseift darunter stehe und plötzlich das Wasser ausgeht. Schon wider so eine Filmszene. Ich nehme den Duschkopf von der hohen Halterung und plötzlich ist das Wasser wieder da. Wohl zu wenig Druck.

 

Pünktlich zum Abend knallt wieder ein Gewitter. Ich genehmige mir eine Flasche slowenisches „Union Radler“, stelle mich unter’s Vordach und schaue dem Regen zu und den letzten Tagesgästen, die heimwärts im Wald verschwinden.

 

In der Stube preist der Wirt drei typisch slowenische Gerichte an. Irgendwas mit Kraut, Bohnen und Rüben. Wahlweise mit oder ohne Wurst. Ich nehme eins von den dreien und bin gespannt. Es entpuppt sich als einfacher aber leckerer weiße Bohnen Eintopf mit Brot. Dazu mein zweites „Union Radler“ heute. Lasse mich gehen. Aber ist ja insgesamt nur ein Bier.

Mein Buch "Über die Alpen" und das Album "Into The Mountains" findest du hier in meinem Shop.

Und hier kannst du "Thinking Nothing" anhören:

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und die Stories die zu

den Songs führten.